Schulungsmodul 01 · Orientierung

KI-Grundlagen –
Was steckt wirklich dahinter?

Was KI-Sprachmodelle wirklich leisten, warum sie manchmal Unsinn erzählen und wie Sie in Ihrem Berufsalltag heute noch sinnvoll einsteigen.

Was KI leistet Wo KI Zeit spart Delegieren statt formulieren Erste Schritte

Das Grundprinzip

Was ist KI — und was nicht?

KI ist kein allwissender Computer, kein Roboter und kein Nachschlagewerk — auch wenn viele Tools inzwischen im Internet suchen können. Sie ist ein Sprachmodell, das gelernt hat, auf Basis riesiger Textmengen sinnvolle Antworten zu formulieren.

Die beste Analogie: Der sehr gute Praktikant

Stellen Sie sich vor, Sie haben einen hochgebildeten Praktikanten, der jedes Buch gelesen hat — aber noch nie im echten Leben gearbeitet hat. Er schreibt brillante Entwürfe, kennt alle Fachbegriffe, übersieht aber manchmal Details und erfindet gelegentlich Fakten, die er nicht kennt. Sie müssen sein Ergebnis immer noch prüfen — aber es spart Ihnen enorm viel Zeit.

Texte formulieren

Briefe, Berichte, Protokolle, Konzepte — aus rohen Stichpunkten wird ein strukturierter Entwurf.

Spart bei Routinetexten spürbar Zeit — auch wenn man das Prüfen mitrechnet.

Strukturieren

Chaotische Notizen in eine klare Gliederung bringen, Themen sortieren, Prioritäten herausarbeiten.

Übersetzen & vereinfachen

Behördentexte in verständliche Sprache, komplizierte Vorschriften auf den Punkt gebracht.

Feedback geben

Einen eigenen Text verbessern lassen, schwache Formulierungen erkennen, Ton anpassen.

Ideen entwickeln

Brainstorming-Partner — welche Themen fehlen im Konzept, was wurde vergessen?

Vorlagen erstellen

Einmal eine gute Vorlage entwickeln, dann beliebig anpassen — für Einladungen, FAQs, Checklisten.

Was KI nicht ist
  • Keine verlässliche Quelle — auch mit Websuche kann sie Quellen falsch zusammenfassen oder verwechseln; Fakten prüfen Sie selbst
  • Kein Experte — sie gibt keine Rechts- oder Finanzberatung, die Sie blind übernehmen sollten
  • Kein Allwissender — sie erfindet manchmal plausibel klingende Fakten, die falsch sind
  • Kein Gedankenleser — je klarer Ihre Anfrage, desto besser das Ergebnis

Für Ihre Arbeit bei der AWO

Wo KI Ihnen sofort Zeit spart

Konkrete Beispiele aus dem Alltag von Einrichtungs- und Bereichsleitungen in der Sozialwirtschaft.

AufgabeBisherMit KI (inkl. Prüfen)
Sachbericht für Jahresbericht schreiben2–3 Stundenca. 1 Stunde
Protokoll aus Besprechungsnotizen45–60 Minuten15–20 Minuten
Einarbeitungsplan für neue Kraft1–2 Stunden30–45 Minuten
Stellenanzeige formulieren1 Stunde20–30 Minuten
Förderantrag strukturierenHalber TagVorbereitung in 30 Min., dann Feinschliff
Dienstanweisung verfassen30–60 Minuten15–20 Minuten

Beispielwerte — stark abhängig von Aufgabe und Übung, einschließlich Lesen, Prüfen und Anpassen. Beim ersten Mal dauert es länger — mit etwas Routine wird es schneller.

Der entscheidende Punkt: Der Mensch prüft und gibt frei

KI liefert keinen fertigen Text — sie liefert einen sehr guten Entwurf. Sie kennen Ihre Einrichtung, Ihre Mitarbeiter und Ihren Träger. Diese Expertise bleibt unersetzlich und kommt beim abschließenden Feinschliff zum Einsatz. KI übernimmt den Rohbau, Sie leisten die Qualitätsarbeit.

Fachbegriff dafür: „Human in the Loop“ — ein Mensch prüft jedes KI-Ergebnis und gibt es frei, bevor es verwendet wird. In der Sozialwirtschaft ist das keine Kür, sondern Pflicht.

Das Prinzip hinter guten Ergebnissen

Vom Formulieren zum Delegieren

Lange ging es beim „Prompten“ — so heißt das Formulieren von Anweisungen an die KI — um die richtige Formel: Rollen, Schablonen, Tricks. Aktuelle KI-Modelle verstehen normale Sprache immer besser, fragen selbst nach und prüfen ihre Arbeit. Prompten entwickelt sich deshalb vom Formulieren hin zum Delegieren — Sie geben der KI einen Auftrag wie einer neuen Fachkraft. Und genau das können Führungskräfte bereits.

Was wichtiger wird: das Denken vor dem Prompt

Nicht die Formulierung entscheidet über das Ergebnis, sondern die Klarheit des Auftrags. Fünf Dinge machen den Unterschied — in jedem Tool, auch in zwei Jahren noch.

1 · Wissen, was Sie wollen

Ziel, Zweck, für wen. Eine unklare Absicht wird auch vom besten Modell nicht klarer.

„Der Bericht geht an den Träger und soll die Weiterfinanzierung begründen.“

2 · Kontext mitgeben

Eigene Vorlagen, Konzepte, Hintergrund. Die KI kennt Ihre Einrichtung, Ihren Träger und Ihre Klienten nicht — diese Lücke schließen nur Sie. Klientendaten bleiben draußen (Modul 03).

3 · Grenzen und „fertig“ festlegen

Was darf nicht passieren — und warum? Wann ist es gut genug? Je selbstständiger KI arbeitet, desto wichtiger wird das.

„Keine Namen, weil der Bericht veröffentlicht wird. Eine Seite reicht.“

4 · Ergebnisse beurteilen

Fachlich prüfen und verantworten. Das wird eher wichtiger, weil KI-Texte immer überzeugender klingen — auch wenn sie falsch sind.

5 · Einmal einrichten statt jedes Mal formulieren

Wiederkehrendes einmal hinterlegen: eigene Assistenten, gespeicherte Anweisungen, Wissenssammlungen (Modul 04).

Der Delegations-Auftrag — Kopiervorlage Ich brauche [Ergebnis, z. B. einen Sachbericht / eine Einladung / eine Dienstanweisung]. Wofür: [Wer bekommt es, was soll danach passieren?]. Hintergrund: [Situation, wichtige Details — ohne Klientendaten]. Material: [Vorlage oder Stichpunkte einfügen]. Grenzen: [was nicht passieren darf, mit Begründung]. Fertig ist es, wenn [Kriterium, z. B. eine Seite, direkt versandfertig].
Wenn Sie selbst noch unsicher sind — erst Rückfragen Ich möchte [grobes Vorhaben, z. B. unser Einarbeitungskonzept überarbeiten]. Bevor du etwas erstellst: Stell mir nacheinander die Fragen, die du brauchst, um das wirklich gut zu machen. Fang erst an, wenn ich „leg los“ sage.
Was Sie getrost weglassen können

Prompt-Formeln auswendig lernen, „Denke Schritt für Schritt“, GROSSBUCHSTABEN, „Prüfe am Ende nochmal alles“ — das brauchen aktuelle Modelle nicht mehr. Eine Rollenzeile („Du bist erfahrene Einrichtungsleitung …“) schadet nicht, ist aber weniger wichtig als der Zweck.

Heute noch anfangen

Erste Schritte — in 20 Minuten

Keine IT-Abteilung nötig, keine Installation. Ein Browser reicht aus.

Anfänger: einfach erzählen

Faustregel: je mehr Kontext, desto präziser die Antwort. Am einfachsten geht das per Mikrofon — erzählen Sie der KI die Aufgabe, als würden Sie sie einem neuen Kollegen erklären. Beim Sprechen kommt der Kontext automatisch mit, den man beim Tippen oft weglässt. Aber: Erzählen Sie von der Aufgabe, nicht von den Menschen — keine Namen, keine Fallgeschichten. Danach im Dialog nachbessern: „kürzer“, „anderer Ton“, „füge hinzu …“.

Fortgeschritten: den ganzen Auftrag geben

Reicht Reden und Nachbessern bei einem Förderantrag oder Sachbericht nicht mehr: delegieren statt formulieren. Den ganzen Auftrag auf einmal geben — was, wofür, mit welchem Material, welche Grenzen, wann fertig (Vorlage oben). Eigene Dokumente direkt beifügen statt nur zu beschreiben (vorher auf Namen prüfen) — und Ergebnisse immer prüfen, bevor sie rausgehen (Human in the Loop).

Dauernutzer: eigener Assistent

Wer KI regelmäßig für dieselben Aufgaben nutzt, profitiert von einem eigenen Assistenten mit festen Vorgaben zu Haus, Träger und Tonfall. Auch Antwortlänge und Stil legen Sie dort einmal fest („Antworte kurz und auf den Punkt“), statt jedes Mal danach zu fragen — mehr dazu in Modul 04 (Das KI-Gedächtnis für Ihre Einrichtung).

1
Klären, was im Haus gilt — dann ausprobieren

Fragen Sie zuerst nach, ob es eine KI-Regelung oder freigegebene Tools gibt. Zum risikoarmen Ausprobieren eignet sich duck.ai: kein Konto, keine Registrierung — dort nur mit Übungstexten ohne dienstliche oder personenbezogene Daten arbeiten.

Private Gratis-Konten sind für dienstliche Aufgaben keine gute Dauerlösung — warum, erklärt Modul 07 (Schatten-KI).
2
Eine echte Aufgabe ohne Personenbezug ausprobieren

Nehmen Sie eine Aufgabe, die Sie diese Woche ohnehin erledigen müssen und die keine Personen- oder Falldaten enthält — und delegieren Sie den ersten Entwurf an die KI.

Zum Beispiel: „Ich brauche eine Einladung zur Teambesprechung am [Datum] zum Thema [Thema]. Wofür: Alle sollen vorbereitet kommen. Fertig ist es, wenn die Einladung höchstens fünf Sätze hat.“
3
Das Ergebnis bewerten und anpassen — Iteration

Schauen Sie: Was ist gut? Was fehlt? Was ist falsch? Ergänzen Sie im Gespräch mit der KI: „Mach es kürzer“, „Füge hinzu, dass…“, „Formuliere formeller.“

„Iteration“ — jede Runde des Verfeinerns bringt das Ergebnis näher an Ihr Ziel. Gute Texte entstehen meist nach 2–3 solcher Schleifen, nicht beim ersten Versuch.
4
Eine Routine entwickeln

Was haben Sie in der letzten Woche 30 Minuten lang geschrieben, was die KI in 5 Minuten formulieren könnte? Das ist Ihr nächster Anwendungsfall.

Wenn Ihr Haus noch kein KI-Tool freigegeben hat

Dann können Sie trotzdem anfangen — mit allem, was weder Personen noch Fälle noch interne Zahlen enthält: Einladung zum Sommerfest, Gliederung für ein Konzept, allgemeiner Flyertext, Fragen an die KI zu Methoden oder Formulierungen. Alles, was Beschäftigte, Klienten oder vertrauliche Einrichtungsdaten betrifft, wartet, bis Geschäftsführung und Datenschutzbeauftragter ein Tool freigegeben haben. Fragen Sie dort nach — das ist der eigentliche erste Schritt.

Zum Ausprobieren

Ihr erster AWO-Prompt

Kopieren, eigene Angaben einsetzen und in das KI-Tool Ihres Hauses einfügen — oder zum Üben in duck.ai:

Erster Auftrag — Sachbericht-Entwurf Ich brauche den Entwurf eines Sachberichts für [Zeitraum] für unsere [Einrichtung, z. B. Schwangerenberatungsstelle / betreutes Wohnen / familienunterstützendes Angebot / Erziehungsstelle]. Wofür: Der Bericht geht an [Träger / Geschäftsführung / Zuwendungsgeber] und soll [Zweck, z. B. die Weiterfinanzierung begründen]. Material: [3–5 Stichpunkte, nur Zahlen und Entwicklungen, keine Namen oder Fallbeispiele]. Grenzen: sachlicher Ton, Erfinde keine Zahlen, Studien oder Rechtsgrundlagen — wo ein Beleg von mir nötig ist, setze [BELEG]. Fertig ist es, wenn ca. eine DIN-A4-Seite mit Einleitung, Kernaussagen und Ausblick steht.
Zweiter Schritt — im selben Chat nachbessern Das ist gut, aber zu lang. Kürze den Abschnitt „[Abschnittsname]“ auf maximal 3 Sätze. Behalte den sachlichen Ton. Füge am Ende einen kurzen Satz über unsere Personalentwicklung hinzu: [Stichpunkt einfügen].
Weiter: Schreiben & Kommunikation →