Vom ersten einfachen Satz bis zum professionellen Framework. Schritt für Schritt, mit fertigen Vorlagen für die Beratungspraxis.
Bevor ihr anfangt
Ein Prompt ist alles, was ihr einer KI schreibt. Klingt simpel – aber die Qualität des Ergebnisses hängt fast vollständig davon ab, wie ihr fragt. Dieselbe KI gibt auf unterschiedliche Fragen völlig unterschiedliche Antworten.
KI ist kein Suchfeld. Sie ist ein hochintelligenter Mitarbeiter, der genau das umsetzt, was ihr beschreibt – nicht mehr und nicht weniger. Je präziser ihr den Kontext, das Ziel und das gewünschte Format erklärt, desto besser das Ergebnis. Unklare Eingabe → mittelmäßige Ausgabe.
„Schreib mir ein Angebot."
Die KI weiß nicht: Für wen? Welche Leistung? Welcher Ton? Welches Format? → Generisches Ergebnis, das ihr komplett überarbeiten müsst.
„Du bist ein erfahrener Unternehmensberater. Schreib ein einseitiges Angebot für einen mittelständischen Maschinenbauer (150 Mitarbeiter) zur Einführung eines KI-gestützten Wartungssystems. Ton: professionell, direkt. Format: Problemstellung, Lösung, Preis offen lassen."
Der Einstieg
Startet mit dem einfachsten Einstieg – und baut dann aus. Jede Stufe verbessert das Ergebnis spürbar.
Der absolut minimale Einstieg. Sagt was ihr wollt. Schon das ist besser als Google.
„Fasse diesen Text zusammen."Worum geht es? Wer ist beteiligt? Welcher Hintergrund ist wichtig? Mehr Kontext = besseres Ergebnis.
„Fasse diesen Text zusammen. Es geht um ein Beratungsprojekt zur Prozessoptimierung in einem Logistikbetrieb."KI verhält sich wie die Rolle, die ihr ihr gebt. „Du bist ein …" transformiert den Output komplett.
„Du bist ein erfahrener Unternehmensberater mit Schwerpunkt Logistik. Fasse diesen Text zusammen …"Für wen ist das Ergebnis? Welcher Ton passt? Technisch, einfach, formell, direkt?
„… Die Zusammenfassung ist für den Geschäftsführer gedacht, der keine Zeit für Details hat. Ton: direkt und auf den Punkt."Wie soll das Ergebnis aussehen? Fließtext, Aufzählung, Tabelle, Anzahl Punkte, maximale Länge?
„… Format: maximal 5 Stichpunkte, darunter ein Satz Handlungsempfehlung."Zeigt der KI ein Beispiel für das gewünschte Ergebnis. Das kalibriert Ton, Struktur und Tiefe wie nichts anderes.
„… Beispiel für eine gute Zusammenfassung: ‚Das Projekt hat drei Kernprobleme: X, Y, Z. Empfehlung: Priorität auf X legen.' Ähnlich formuliert, bitte."Wenn ihr noch nicht wisst, wie ein guter Prompt aussehen soll: fragt die KI selbst. Schreibt: "Ich möchte [Ziel erreichen]. Optimiere diesen Prompt in Struktur und Aufbau und führe ihn dann aus: [euer grober Prompt]" – die KI verbessert euren eigenen Prompt und nutzt ihn gleich.
So sieht ein vollständig aufgebauter Beratungs-Prompt aus
Ein präzises, maßgeschneidertes Executive Summary – kein generischer Text, den ihr noch stundenlang überarbeiten müsst. Die KI kennt Rolle, Kontext, Zielgruppe, Format und Grenzen.
Strukturierte Methoden
Frameworks sind Schablonen für wiederkehrende Prompt-Typen. Ihr müsst nicht alle kennen – ein oder zwei reichen für den Einstieg. Die wichtigsten für die Beratung sind RISEN und CO-STAR.
„R: Du bist Strategieberater. I: Unser Kunde verliert Marktanteile an günstigere Konkurrenz. S: Analysiere zuerst mögliche Ursachen, dann entwickle 3 Gegenstrategien. E: Entscheidungsvorlage für den Vorstand. N: Keine langfristigen Maßnahmen über 2 Jahre."
„C: Restrukturierungsprojekt läuft 3 Monate, 20 % der Stellen entfallen. O: Mitarbeiter-E-Mail zu den Veränderungen. S: Klar und verständlich, kein Unternehmens-Jargon. T: Empathisch, ehrlich, zuversichtlich. A: Produktionsmitarbeiter ohne akademischen Hintergrund. R: Max. 300 Wörter."
„R: Du bist ein erfahrener Lektor. T: Korrigiere folgenden Angebotstext auf Grammatik, Stil und fehlende Kommas. F: Korrigierten Text zurückgeben, Änderungen in eckigen Klammern markieren."
„Denke Schritt für Schritt …" · „Erkläre deinen Denkweg, bevor du zur Schlussfolgerung kommst …" · „Analysiere zuerst alle Faktoren, dann empfehle …"
„Nimm die Perspektive des kritischsten Vorstandsmitglieds ein und liste alle Einwände auf, die gegen diesen Strategievorschlag sprechen könnten. Sei dabei so kritisch wie möglich."
„Mach das kürzer" · „Formuliere professioneller" · „Füge ein konkretes Beispiel hinzu" · „Schreibe Punkt 3 komplett neu, fokussierter auf ROI"
Fangt mit RISEN an – es deckt alle wichtigen Elemente ab und ist leicht zu merken. Für schnelle Alltagsaufgaben reicht RTF. Wenn ihr merkt, dass Texte nicht den richtigen Ton treffen, wechselt zu CO-STAR. Chain of Thought und Persona kommen, wenn ihr mehr Kontrolle über Analysen und Perspektiven wollt.
Sofort einsatzbereit
Alle Prompts sind direkt kopierbereit. Die kursiven Teile in [eckigen Klammern] ersetzt ihr durch eure eigenen Informationen. Klick auf einen Prompt kopiert ihn in die Zwischenablage.
Fortgeschrittene Techniken
Diese Techniken machen den Unterschied zwischen guten und sehr guten Ergebnissen. Alle sind sofort anwendbar.
Schreibt zuerst: "Optimiere diesen Prompt in Struktur und Aufbau und führe ihn dann aus:" – davor euren rohen Gedanken. Die KI verbessert ihn selbst und nutzt die verbesserte Version.
Fügt ans Ende hinzu: "Bevor du antwortest: welche Informationen brauchst du noch von mir, um das bestmöglich zu lösen?" – die KI holt sich selbst den fehlenden Kontext.
Wenn immer wieder das falsche Format kommt: "Antwort NUR als Tabelle", "Antwort NUR als nummerierte Liste", "Kein Fließtext, nur Stichpunkte". Klare Negativ-Anweisungen wirken stark.
Fast immer sinnvoll: "Schreibe 3 verschiedene Versionen: eine formell, eine locker, eine provokant." Aus drei Versionen die beste wählen ist schneller als eine Version endlos zu verfeinern.
Zu viel auf einmal → mittelmäßiges Ergebnis. Besser: Aufgabe in Teile zerlegen. Erst Gliederung, dann Abschnitt für Abschnitt. Jeder Schritt für sich gibt bessere Ergebnisse als alles auf einmal.
Die KI neigt zu ausführlichen Antworten. "Fasse das auf maximal 3 Sätze zusammen" oder "Kürze auf die 5 wichtigsten Punkte" erzwingt Präzision und spart enorm Zeit bei der Nachbearbeitung.
Bei wichtigen Fakten immer: "Nenne die Quellen für diese Aussagen" oder in Perplexity / NotebookLM arbeiten, wo Quellen automatisch mitgeliefert werden. KI kann Fakten erfinden – Quellen helfen beim Check.
KI vergisst alles nach dem Chat. Für wiederkehrende Aufgaben: "Hier ist unser Unternehmenshintergrund: [Text]. Bitte berücksichtige das bei allen weiteren Antworten in diesem Chat." Oder: Gems / Custom GPTs nutzen (Modul 4).
Wenn es nicht klappt
Fast jeder kennt das: die KI liefert etwas Unbrauchbares. Hier sind die häufigsten Ursachen und direkte Gegenmittel.
Der Text könnte für jedes Unternehmen gelten, nichts ist spezifisch.
Mehr Kontext liefern: Branche, Unternehmensgröße, konkretes Problem, Namen, Zahlen. Je spezifischer der Input, desto spezifischer der Output.
Die KI schreibt endlose Texte, obwohl ihr nur drei Sätze wollt.
Explizite Längenvorgabe im Prompt: „Max. 200 Wörter", „genau 3 Stichpunkte", „nicht mehr als eine halbe A4-Seite". Und/oder: „Antworte präzise und direkt, ohne Einleitung."
Der Text ist korrekt, aber steif und unnatürlich. Niemand würde so reden.
Ton explizit beschreiben: „Schreib wie ein erfahrener Kollege, nicht wie ein Unternehmensberater-Template". Oder: Beispielsatz eigenen Schreibstils einbinden: „Schreibe im Stil dieses Beispiels: [Satz]."
Zahlen oder Aussagen klingen plausibel, sind aber falsch (Halluzination).
Für faktenlastige Aufgaben Perplexity oder NotebookLM nutzen (quellengebunden). Bei Chat-KI: immer Quellen anfordern und kritische Fakten separat verifizieren.
Die Antwort geht komplett am Ziel vorbei, obwohl der Prompt klar schien.
Den gewünschten Output beschreiben, nicht nur die Aufgabe. Besser: „Das Ergebnis soll so aussehen: [Beispiel]." Oder: KI bitten, die Aufgabe zuerst in eigenen Worten zu wiederholen, bevor sie antwortet.
„Das kann ich leider nicht" – obwohl die Aufgabe völlig harmlos ist.
Kontext erklären: „Dies ist für interne Schulungszwecke" oder „Ich bin Berater und benötige das für …". Oder: Formulierung ändern – manchmal löst ein anders formulierter Prompt das Problem. Verschiedene Tools verhalten sich unterschiedlich.