Gemini Gems, Custom GPTs und Claude Projects — drei Plattformen, ein Ziel: ein Assistent, der euren Kontext kennt, ohne dass ihr jedes Mal von vorne erklärt.
Das Grundprinzip
Jedes Mal, wenn ihr ChatGPT oder Claude öffnet, beginnt der Assistent bei Null. Er weiß nicht, wer ihr seid, was euer Unternehmen macht, wie ihr schreibt oder was eure Kunden brauchen. Eigene Assistenten lösen genau das.
Jeden Tag dasselbe: „Du bist ein Unternehmensberater, wir arbeiten für Kunden in der Industrie, unsere Texte sollen professionell aber direkt sein…" — Das kostet Zeit und liefert trotzdem keine konsistenten Ergebnisse.
Einmal konfiguriert: Der Assistent kennt eure Rolle, euren Stil, euren Kontext und eure Dokumente. Ihr öffnet ihn — und fangt direkt mit der Aufgabe an. Kein Setup, jedes Mal.
Ein eigener Assistent ist im Kern ein dauerhaft gespeicherter System-Prompt — also eine Vorab-Anweisung, die bei jedem Chat automatisch mitgeschickt wird. Dazu kommen: hochgeladene Dokumente als Wissensbasis und, je nach Plattform, die Verbindung mit Tools wie NotebookLM, Web-Suche oder Kalender. Keine Programmierung nötig — reine Texteingabe.
Welche Plattform passt?
Alle drei funktionieren nach demselben Prinzip — unterscheiden sich aber in Stärken, Datenschutz und Ökosystem. Hier der direkte Vergleich.
Fangt mit Gemini Gems an, wenn ihr bereits Google Workspace nutzt — die NotebookLM-Integration ist der stärkste Trumpf. Claude Projects ist die beste Wahl für alle, die viel schreiben und Texte von höchster Qualität brauchen. Custom GPTs lohnen sich, wenn ihr ohnehin ChatGPT Plus habt oder den GPT Store für Kunden nutzen wollt.
Schritt für Schritt
In 10 Minuten zum eigenen Berater-Assistenten mit NotebookLM-Anbindung. Kein Code, keine Technikkenntnisse nötig.
Geht auf gemini.google.com → linke Seitenleiste → „Gems entdecken" → „Neues Gem". Alternativ direkt: gemini.google.com/gems/create
Tipp: Für Google AI Pro-Nutzer stehen die leistungsstärkeren Modelle (Gemini 3 Pro) zur Verfügung. Mit dem kostenlosen Konto funktioniert es auch, aber mit Limits.Klarer, beschreibender Name: z.B. „Berater-Assistent Kunde XY", „Angebots-Schreiber" oder „Marktanalyse-Experte". Ihr werdet diesen Gem täglich öffnen — der Name sollte sofort sagen, was er kann.
Das Herzstück. Beschreibt hier: Rolle, Aufgaben, Stil, was der Gem tun soll und was nicht. Nutzt die fertigen Templates weiter unten auf dieser Seite — einfach kopieren und anpassen.
Tipp: Klickt auf „Gemini nutzen, um Anleitung neu zu schreiben" — der Gem verbessert euren eigenen System-Prompt automatisch.Bis zu 10 Dateien als Wissensbasis: eure Unternehmensbroschüre, Methoden-PDFs, Referenzprojekte, Preislisten. Der Gem kann diese Dokumente in allen Antworten berücksichtigen.
Tipp: Ein Google Doc als „Living Document" hochladen — dann könnt ihr es jederzeit aktualisieren und der Gem kennt immer die aktuelle Version.Ab Google AI Pro: In Gemini über den „+"-Button ein NotebookLM-Notebook direkt in den Gem-Chat einbinden. Dann kennt euer Assistent sowohl den System-Prompt als auch alle Quellen aus dem Notebook.
Tipp: Ideale Kombination — Gem = Charakter + Stil, NotebookLM = Fachwissen + Quellen.Rechts im Editor: Testprompt eingeben und das Verhalten prüfen. Stimmt der Ton? Sind die Antworten präzise? Dann auf „Speichern". Der Gem erscheint sofort in der linken Seitenleiste — auch im Handy-App.
Über Drive-ähnliches Sharing könnt ihr euren Gem mit Teammitgliedern teilen. Einmal konfiguriert — für das gesamte Team verfügbar. Setzt Wissenszugang auf alle Mitarbeitenden.
Schritt für Schritt
ChatGPTs eigene Assistenten — mit dem größten Ökosystem und der Option, Aktionen zu verknüpfen (z.B. Kalender, CRM, externe APIs).
Auf chatgpt.com → links oben „Explore GPTs" → „+ Create". Benötigt: ChatGPT Plus (22 €/Monat) oder Team-Abo.
Im Tab „Create": Beschreibt eurem GPT in normaler Sprache, was er machen soll — ChatGPT erstellt daraus automatisch einen ersten System-Prompt. Dann im Tab „Configure" verfeinern.
Tipp: Sagt einfach „Erstelle mir einen Beratungsassistenten für eine Unternehmensberatung mit Fokus auf Industrie-KMU" — der Builder fragt gezielt nach und baut den Prompt auf.Name und Beschreibung vergeben. Im Feld „Instructions" den System-Prompt einfügen (Templates weiter unten). Im Feld „Conversation starters": 4 typische Einstiegsfragen eintragen — erscheinen beim Öffnen als Schnellauswahl.
PDFs, Word-Dokumente, Textdateien als Wissensbasis. Das GPT kann diese in Antworten verwenden. Wichtig: Datenschutz beachten — nur mit Team-Abo werden hochgeladene Dateien nicht für Training genutzt.
Tipp: Erstellt eine „Unternehmens-Info.txt" mit allen wichtigen Informationen — Positionierung, Zielkunden, Methoden, Preisliste. Einmal gut formuliert, für immer verfügbar.Web-Suche, Bildgenerierung (DALL-E), Code Interpreter — je nach Bedarf aktivieren. Für Beratungsassistenten: Web-Suche für aktuelle Infos, Code Interpreter für Datenanalysen.
„Only me" = privat. „Anyone with the link" = Link teilen. „Public" = im GPT Store veröffentlichen. Für Team-Nutzung: „Anyone in my workspace" (Team-Abo).
Tipp: Link-Sharing eignet sich gut, um Kunden einen dedizierten Assistenten zu geben — z.B. einen GPT mit ihren Projektdaten für den gesamten Projektzeitraum.Schritt für Schritt
Claudes Projekte sind der Datenschutz-freundlichste Weg für einen dauerhaften Assistenten — und liefern die beste Textqualität für sensible, nuancierte Kommunikation.
Auf claude.ai → linke Seite → „Projekte" → „+ Neues Projekt". Namen und Beschreibung vergeben. Achtung: Claude sieht Name und Beschreibung nicht — sie sind nur für euch zur Organisation.
Auf der Projektseite: „Projektanweisungen festlegen" klicken. Hier kommt der System-Prompt hinein. Dieser gilt für alle Chats innerhalb dieses Projekts — dauerhaft, ohne dass ihr ihn wiederholen müsst.
Tipp: Eine „ClaudeInstructions.md"-Datei in die Wissensbasis hochladen — dort detaillierte Präferenzen eintragen: „Kein Unternehmens-Jargon", „Immer drei Varianten anbieten", „Briefe auf Deutsch".Rechte Seite der Projektseite: Dokumente hochladen — PDFs, Word-Dateien, Textdateien. Claude bezieht sich in allen Projektchats auf diese Dokumente. Limit: ca. 500 Seiten pro Projekt.
Tipp: Bisherige Angebote, Methodenbeschreibungen, Referenztexte, Preislisten — einmal hochladen, für alle Projektchats verfügbar.Innerhalb des Projekts könnt ihr beliebig viele Chats starten — Claude kennt in jedem Chat den System-Prompt und die Wissensdatenbank. Jeder Chat hat aber seinen eigenen Verlauf (kein Chat-übergreifendes Gedächtnis).
Mit Claude Team können Projekte auf „Mit der gesamten Organisation teilen" gestellt werden. Alle Teammitglieder sehen und nutzen dasselbe Projekt mit demselben System-Prompt und denselben Dokumenten.
Sofort einsatzbereit
Einfach kopieren, in die Anweisungen einfügen und die Teile in [eckigen Klammern] anpassen. Klick auf den Prompt-Block kopiert den gesamten Text.
Dieser Assistent kennt eure Beratungspositionierung und liefert konsistent professionelle Texte. Passt die Branchen und Themenbereiche an euer tatsächliches Portfolio an.
Besonders stark in Gemini Gems mit aktivierter Web-Suche — liefert aktuelle, belegbare Informationen mit klarer Quellenstruktur.
Ideal als Claude Project mit allen Kundendokumenten in der Wissensdatenbank. Jedes Mandat bekommt sein eigenes Projekt — mit eigenem System-Prompt und eigenen Unterlagen.
Einmal eingerichtet, beantwortet dieser Assistent Fragen neuer Mitarbeiter rund um die Uhr — ohne dass Senior-Berater Zeit investieren müssen.
Konkrete Einsatzszenarien
Hier sind die häufigsten und wirkungsvollsten Einsatzmöglichkeiten — jeder als fertig konfigurierbarer Assistent.
Kennt eure Beratungspositionierung, bisherige Angebote und typische Leistungsbausteine. Schreibt Executive Summaries, Leistungsbeschreibungen und Follow-up-E-Mails ohne Briefing.
Kennt alle Projektteilnehmer, offene Punkte und die Terminologie des Kunden. Verwandelt Stichworte oder Transkripte sofort in strukturierte Protokolle mit Aufgabenliste.
Mit aktivierter Web-Suche recherchiert er Branchentrends, Wettbewerber und aktuelle Marktdaten — strukturiert mit Quellenangabe, bereit für die nächste Präsentation.
Ein Assistent pro aktivem Mandat — mit allen Projektdokumenten als Wissensbasis. Kennt alle Absprachen, Protokolle und offenen Punkte. Beendet die ewige Dokumentensuche.
Kennt euren Schreibstil, eure Zielgruppe und vergangene Posts. Erstellt LinkedIn-Beiträge, Blogartikel und Newsletter-Drafts, die nach euch klingen — nicht nach KI.
Beantwortet Fragen neuer Mitarbeiter zu Unternehmenskultur, Methoden und Projekten. Rund um die Uhr verfügbar, ohne Senior-Berater zu belasten. Dokumentation wird lebendig.
Kennt euer aktuelles Angebot und nimmt die Perspektive des kritischsten Entscheiders beim Kunden ein. Hilft, Gegenargumentation zu üben und Angebote zu schärfen — vor dem echten Termin.
Übersetzt Angebote und Berichte ins Englische — aber versteht die Nuancen eurer Branche und passt Terminologie gezielt an. Besser als DeepL bei fachspezifischen Texten.
Empfehlung für alle, die mit KI starten: ein Gem/GPT, dessen einzige Aufgabe es ist, eure rohen Ideen in optimierte Prompts für andere KI-Tools umzuwandeln. Meta — aber extrem wirksam.
Entscheidungshilfe
| Situation | Empfehlung | Grund |
|---|---|---|
| Ihr nutzt Google Workspace | Gemini Gems | Nahtlose Drive/Docs/Meet-Integration, NotebookLM verknüpfbar |
| Beste Textqualität für Angebote | Claude Projects | Stärkste Sprachnuancen, beste Tonkontrolle |
| Ihr nutzt ChatGPT ohnehin täglich | Custom GPTs | Gleiche Oberfläche, kein Wechsel nötig |
| Assistent mit Web-Suche | Gems oder GPT | Beide haben aktivierbare Web-Suche |
| Kunden-spezifisches Projekt | Claude Projects | Bis 500 Seiten Dokumente, klare Projektstruktur |
| Im Team teilen / skalieren | Alle drei (je nach Plattform) | Gems: Drive-Sharing · GPTs: Workspace · Claude: Team-Abo |
| Kunden einen Assistenten geben | Custom GPT (Link) | Öffentlicher Link ohne eigenes ChatGPT-Konto nutzbar |
| Maximaler Datenschutz | Claude Team oder Google Workspace | Kein Training mit Unternehmensdaten, DSGVO-konform |
Nehmt einen der System-Prompt-Templates von oben, kopiert ihn in einen Gemini Gem oder Claude Project, passt die Klammern an und testet ihn mit einer echten Aufgabe. Das ist alles. Perfektioniert ihn danach — aber startet heute.